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Семья делится со своим опытом

Liebe Familie …,

wie geht es Ihnen? Sind Sie mit Nina zufrieden? Ich würde mich sehr freuen, wenn Sie auf meine Fragen antworten könnten. Das brauchen wir, um neue Mädchen richtig einzuweisen, sie auf Schwierigkeiten vorzubereiten und Illusionen abzubauen. Also, welche Schwierigkeiten hatten Sie mit Nina, besonders Anfangsschwierigkeiten? Wie haben Sie Probleme gelöst? Was für Vor- und Nachteile hat ein Au-pair-Jahr in der Familie? Was gab es für Missverständnisse? Wie sind Sie mit der anderen Mentalität zurecht gekommen? Gab es spaßige Begebenheiten, besondere Erlebnisse? Was würden Sie nach dem halben Jahr Au-pair-Erfahrung anders machen? Wie sind Sie mit den „geringeren“ Sprachkenntnissen von Nina zurecht gekommen? Fühlen Sie, dass ihr Kind gut betreut wird? Haben Sie Unterschiede in Erziehungsansichten bemerkt? Würden Sie wieder ein Au-pair in Ihrer Familie aufnehmen wollen? Das sind so kurz paar Fragen, die mich bewegen.

Ich hoffe, dass Sie im Prinzip mit Nina zufrieden sind.

Mit freundlichen Grüßen

Christine Müller

Liebe Frau Müller!

Vielen Dank für Ihre mail! Wir finden, es ist eine gute Idee, dass wir unsere Gedanken über den Au-Pair-Aufenthalt austauschen.

Sie haben uns viele Fragen gestellt. Einige davon können wir gar nicht beantworten, weil sie sich uns nicht gestellt haben.

Zunächst einmal möchten wir Ihnen sagen, dass wir sehr zufrieden sind mit Nina! Uns gefällt es sehr gut mit ihr. Probleme hat es bisher noch nicht gegeben. Beiden Seiten geholfen hat auf jeden Fall, dass mit dem Vertrag die Rahmenbedingungen abgesteckt waren. Wir haben von Anfang an einen Stundenplan aufgestellt, damit wir immer die 30 Stunden Arbeitszeit und die freie Zeit im Auge haben. Für uns ist aber auch die Flexibilität wichtig, die Nina entgegenbringt, wenn sich in der Wochenplanung etwas ändert. Flexibel sein im Rahmen der 30 Stunden, das ist wichtig und für die Gastfamilie auch ein Vorteil, den ein Au-Pair mit sich bringt, wenn es in der Familie und mit der Familie lebt.

Anfangsschwierigkeiten sind kaum aufgetreten, da wir Nina eine lange Einarbeitungszeit zubilligten. Wir haben uns viel Zeit dafür gelassen, dass sie sich bei uns und in Deutschland erst einmal zurechtfindet, und auch dass unser Sohn und Nina sich gemeinsam in die neue Situation einfinden. Da ich Zuhause am Schreibtisch arbeite, war das möglich, und ich stand zwischendurch für Fragen zur Verfügung.

Da mein Mann mit längeren Aufenthalten im Ausland vertraut war, wusste er, wie viel Kraft es kostet, all das Neue aufzunehmen und im Kopf zu verarbeiten. So musste Nina nicht von Anfang an alles übernehmen, was sie eigentlich tun sollte, sondern konnte sich schrittweise einarbeiten.

Von ihren Sprachkenntnissen her wäre es in einer anderen Familie nicht gegangen, wenn sie gleich die Kinder hätte vom Kindergarten abholen sollen, oder wenn sie einen halben Tag mit ihnen allein verbringen sollte, und ihnen auch Mittagessen kochen sollte, weil die Eltern woanders arbeiten.

Für unsere Familie aber waren die Sprachkenntnisse von Nina kein Problem, weil mein Mann etwas Russisch lesen und sprechen kann, und wir immer ein Wörterbuch in der Küche liegen haben. Der Sprachkurs hat dann ihre Sprachkenntnisse schnell verbessert. Nina ist ein sehr kluges Mädchen. Sie hat ein großes Auffassungs- und Reflexionsvermögen. Sie möchte viel über Deutschland erfahren. Besonders gut gefällt uns ihre Einstellung: Ihre Heimatstadt ist die schönste Stadt der Welt und da liegt ihre Zukunft. Auf dieser Basis ist ein gleichberechtigter Austausch der Kulturen möglich. Das scheint auch durch die Vermittlung durch den vij gewährleistet zu sein. Nicht gefallen würde uns die Auffassung vieler Mädchen aus dem Osten, die den Aufenthalt hier benutzen, um ein schönes Jahr zu verbringen und einen deutschen Mann zum Heiraten zu suchen.

Das Klima des Miteinanders im Haus wird nun einmal dadurch geprägt. Wir erleben es als eine Bereicherung nun auch soviel über Russland zu erfahren. Auch dass Nina aus einer intakten Familie kommt und sie ein offenes, fröhliches Wesen hat, erleichtert das Zusammenleben. Es wäre sehr beschwerlich, müssten wir mit ihr Probleme der Vergangenheit bewältigen. Dafür haben wir einfach keine Zeit. Daher ist es gut, dass Ihre Organisation danach schaut, ob das Mädchen eine stabile Persönlichkeit ist.

Durch ihre sportliche Aktivität, Volleyball, hat Nina hier Kontakt zu Jugendlichen aus dem Dorf gefunden. Das freut uns sehr!

Durch das Au-Pair-Treffen an jedem letzten Mittwoch des Monats, hat sie Au-Pairs aus vielen anderen Ländern kennen gelernt und mit ihnen auch schon etwas unternommen. Uns gefällt es sehr, dass sie die Zeit hier nutzt, um vieles über andere Länder zu erfahren.

Folgendes ist für Sie ganz interessant. Durch unseren Beruf sind wir es gewohnt, über Personen und Entwicklungen in Raum und Zeit zu reflektieren. Da fiel uns auf, dass Nina die ersten Tage innerlich sehr zurückgezogen war. Sonntagabend kam sie an. Die Gespräche dann und am Montag waren sehr beschwerlich und kaum möglich. Am Diensteg spürten wir alle, wie es auf einmal bei Nina "Klick" machte. Ab dem Zeitpunkt konnte sie sich viel freier mit uns unterhalten. Das hing natürlich mit dem "Kulturschock" zusammen. Wer in fremde Länder gereist ist, der kennt das, wenn am Anfang alles fremd ist. Und meinem Mann war das eben vertraut.

Sehr hilfreich wäre es, wenn die Organisation vij mal Untersuchungen von Psychologen anstellen lässt, die beschreiben wie ein Au-Pair-Jahr sowohl für die Gasteltern als auch für die Au-Pairs ablaufen. Wir haben nämlich festgestellt, dass es nach vier Wochen ein Tief gibt. Erst ist alles neu und toll, dann kehrt der Alltag ein und vielleicht auch das erste Heimweh, was bei Nina selten ist. Auf jeden Fall geht die Begeisterungskurve nach vier Wochen etwas zurück, wenn die Normalität eintritt. Eine Bekannte, die auch ein Au-Pair hat, hat Ähnliches beobachtet.

Ein Au-Pair sollte auf jeden Fall auch eine gesunde Einstellung dazu haben, dass Beziehungen auch hier ihre Zeit brauchen. Von daher ist es normal, dass man am Anfang in seiner Freizeit viel allein ist, und die Zeit einfach auch braucht, um alle Eindrücke zu verarbeiten. Erst langsam entwickeln sich dann Außenkontakte zu anderen Au-Pairs oder zu Jugendlichen im Dorf. Es braucht eben seine Zeit und das ist normal!

Das Allerwichtigste ist, dass das Au-pair-Mädchen in erster Linie den Kontakt zum Kind sucht und sich da engagiert. Für uns war es einfach schön, dass sich der Kontakt bereits in der ersten Minute hergestellt hatte. Als Nina mit uns zur Tür hereinkam und unser Sohn auf sie zukam, da war das Entscheidende für das Jahr geschehen. Denn das ist das allerwichtigste, dass sich Nina und Kevin gut verstehen. Uns ist es sehr wichtig, dass Kevin durch sie die Möglichkeit bekommt, den Aktivitäten nachzugehen, die für seinen Entwicklungsstand notwendig sind, vor allem das phantasievolle kreative Spiel, sei es drinnen oder draußen. Wir haben das Gefühl, dass unser Sohn gut betreut ist, weil er gerne die Zeit mit Nina verbringt. Unterschiede in den Erziehungsansichten haben wir nicht bemerkt, weil Nina einfach respektiert, wie wir den Umgang mit unseren Sohn gestalten. Und uns ist es sehr wichtig, in Erziehungsfragen das letzte Wort zu haben. Nina und Kevin sind wie Freunde, die miteinander Zeit verbringen, aber erziehen, das tun wir als Eltern! Das empfinde ich auch als einen großen Vorteil, den ein Au-pair mit sich bringt. Eine Tagesmutter hier in Deutschland, die selber ihre Kinder erzogen hat, würde unser Kind auch so erziehen. Und da gibt es sicherlich unterschiedliche Vorstellungen. Gerade in dem Alter, in dem Kevin ist, zweieinhalb Jahre, ist es wichtig, dass er seine soziale Festigung durch uns erhält.

Für das Verhältnis zwischen den Gasteltern und dem Au-pair-Mädchen ist es wichtig, dass auftretende Fragen bzw. Probleme gleich und möglichst sachlich besprochen werden.

Für das Zusammenleben im Haus ist es wichtig, dass sowohl die Gastfamilie Zeiten für sich allein hat, als auch das Au-Pair-Mädchen. Die einfühlsame Art von Nina gefällt uns sehr.

Wünsche sollten geäußert werden. Manchmal ist es für das Mädchen schwer und für die Gasteltern leicht zu verwirklichen, sei es eine Musikanlage ins Zimmer zu stellen, oder Absprachen für e-mail oder Telefonate zu finden.

Und beide Seiten sollten sich darüber austauschen, ob man gerade müde und erschöpft ist und deswegen so schweigsam. Nicht dass man denkt, der andere habe irgendetwas gegen ihn. Es ist z.B. einfach hilfreich, zu wissen, dass Nina morgens beim Frühstück erst mal stiller ist, weil sie aufwachen muss.

Wir würden jedem ein Au-Pair-Mädchen empfehlen und könnten uns gut vorstellen, wieder ein Au-Pair- Mädchen zu nehmen, wenn wir eines brauchen.

Nina ist eine Bereicherung für uns alle!

Herzliche Grüße

von Ihrer Hanne und Steffen und Kevin!

P.S.: Wir freuen uns, wenn wir andere an unseren Erfahrungen teilhaben lassen können!

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